Knochenaufbau bei Zahnimplantaten

08.05.2017
Knochenaufbau für Zahnimplantate

Die Implantologie hat sich seit ihrer Einführung in die zahnmedizinische Therapie rasant entwickelt und ist heute als qualitativ hochwertige Versorgung fest in der Zahnmedizin etabliert.

Warum Knochenaufbau für ein Zahnimplantat?

In einigen Fällen ist für eine Implantation nicht ausreichend Knochen vorhanden, so dass erst neuer Knochen aufgebaut werden muss, bevor man überhaupt ein Implantat setzen kann. Auch in diesen anspruchsvollen Fällen kann man adäquat Knochen aufbauen und dafür sorgen, dass bei Ihnen optimale Voraussetzungen für das Einheilen des Implantats geschaffen werden können.

Warum ist der Knochen so wichtig?

Nach einer Zahnentfernung beginnt der Körper mit der Wundheilung. Bei der Wundheilung handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel verschiedenster Zellen und Botenstoffe. Im Rahmen der Wundheilung kann es auch zum Verlust eines Teils des Knochens im Bereich des entfernten Zahnes kommen. Aber auch durch eine fehlende Belastung des Knochens nach einer Zahnentfernung oder eines Zahnverlustes kommt es im Laufe der Zeit zu einem Knochenrückgang. Dieser Knochenrückgang findet sowohl in der Höhe als auch in der Breite statt. Das bedeutet, dass der Kiefer schmaler und flacher wird.

Damit eine lange Lebensdauer und eine einwandfreie Funktion des Zahnersatzes erreicht werden können, muss das Implantat ausreichend von Knochen umgeben sein. Auch anatomische Gegebenheiten wie die Lage und der Verlauf bestimmter Nerven oder die Ausdehnung der Kieferhöhle müssen bei der Planung berücksichtigt werden.

Das kann für Sie als Patient bedeuten, dass der Ersatz der Zähne und damit die Wiederherstellung der Kaufunktion erschwert ist, da die Implantate aufgrund des Knochenabbaus (der Kiefer ist schmaler und flacher geworden) nicht an die Position gesetzt werden können, an der die eigenen Zähne früher standen.

Gerade im Hinblick auf eine gute Ästhetik und eine einwandfreie Kaufunktion des späteren Zahnersatzes sollten die Implantate aber möglichst präzise, und das bedeutet von wenigen Ausnahmen abgesehen, an die Stelle der nicht mehr vorhandenen eigenen Zähne gesetzt werden.

Wie entscheidet man, ob ein Knochenaufbau notwendig ist?

Die Entscheidung für oder gegen einen Knochenaufbau hängt maßgeblich von folgenden Überlegungen ab:

  • Ist ausreichend Knochen vorhanden, um die Implantate so setzen zu können, dass der spätere Zahnersatz eine einwandfreie Funktion und eine gute Ästhetik bietet?
  • Werden die Sicherheitsabstände zu wichtigen anatomischen Strukturen wie der Kieferhöhle und Nervenbahnen eingehalten?
  • Ist der eigene Knochen ausreichend stabil?

Falls bei Ihnen die Notwendigkeit für einen Knochenaufbau besteht, stehen uns eine ganze Reihe verschiedenster Techniken und Methoden zur Verfügung. Natürlich besprechen wir den genauen Behandlungsablauf für Ihren individuellen Befund ausführlich in einem oder mehreren Beratungsterminen mit Ihnen. Nachfolgend soll lediglich ein kleiner Überblick über einige der Behandlungsmethoden gegeben werden.

Knochenaufbau – Techniken im Überblick

Kleinerer Knochendefekt

Handelt es sich um kleinere Knochendefekte, so können diese meist während der Implantation mitbehandelt werden. Hierzu kann entweder eigener Knochen, der z.B. während der Implantatbohrung anfällt oder aus dem Operationsfeld entnommen wird, verwendet werden oder es kommt ein Knochenersatzmaterial zum Einsatz. Auch eine Kombination aus eigenem Knochen und Knochenersatzmaterial ist möglich. Bei dem Knochenersatzmaterial handelt es sich entweder um tierische (bovine (Rind) oder porcine (Schwein)) oder pflanzliche (z.B. aus Algen gewonnene) Materialien. Das Knochenersatzmaterial dient dann dem eigenen Knochen als eine Art Gerüst in das der eigene Knochen einwachsen kann. Damit ein Knochenaufbau gelingen kann, muss der aufgebrachte Knochen (das Augmentat) ruhig an der entsprechenden Stelle liegen und einheilen. Das bedeutet, dass man das Augmentat vor Bewegungen, z.B. durch ansetzende Muskeln, schützen muss. Hierzu kommen so genannte Membranen zum Einsatz, die sich während des Heilungsprozesses wie ein Zeltdach über den aufgebauten Knochen legen. Auch bei den Membranen stehen uns eine Vielzahl unterschiedlichster Produkte zur Verfügung. So gibt es resorbierbare Membranen, die nicht entfernt werden müssen, weil sie nach einiger Zeit vom Körper abgebaut werden, und es gibt nicht-resorbierbare Mambranen, die entfernt werden müssen, dafür aber mehr Stabilität bieten. Einige Membranen sind tierischen (porcinen) Ursprungs und andere beinhalten keine tierischen Komponenten.

Auch hier entscheidet Ihre individuelle Situation, welches Vorgehen und welches Material den größtmöglichen Erfolg verspricht.

Sinuslift im Oberkiefer

Bei einem Sinuslift handelt es sich um einen Knochenaufbau im Bereich der Kieferhöhle. Sinus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Bucht. Diese Bucht beschreibt die Ausdehnung der Kieferhöhle. In einigen Fällen ist diese Bucht soweit ausgedehnt, dass nur wenige Millimeter Eigenknochen zwischen Kieferhöhle und Mundhöhle vorhanden sind. Die Positionierung eines Implantats in diesem Gebiet ist in solchen Fällen nicht ohne einen Knochenaufbau möglich, da es sich bei der Kieferhöhle um einen sehr empfindlichen Bereich handelt, der durch ein Implantat nicht verletzt werden sollte.

Wir unterscheiden zwei unterschiedliche Arten des Sinuslifts. Einen internen (inneren) und einen externen (äußeren).

Bei einem internen Sinuslift wird der Kieferhöhlenboden während der Bohrung für das Implantat vorsichtig durch das Bohrloch angehoben. Auf diese Weise lassen sich allerdings nur wenige Millimeter an zusätzlichem Platz für das Implantat gewinnen. Die Einheilphase für ein Implantat verlängert sich durch einen internen Sinuslift nur geringfügig.

Der externe Sinuslift ist erforderlich, falls durch einen internen Sinuslift nicht genügend Knochen gewonnen werden kann. Hierfür wird ein Fenster im Bereich der seitlichen Kieferhöhlenwand angelegt und so der Zugang zur Kieferhöhle ermöglicht. Die dünne Knochenwand der Kieferhöhle wird durch spezielle Geräte sorgfältig entfernt und die unter dem Knochen liegende Schneider´sche Membran wird angehoben. In den so entstandenen Raum zwischen Oberkiefer und Kieferhöhle wird Knochenersatzmaterial oder eigener Knochen eingebracht. Anschließend erfolgt der Verschluss der Wunde, oftmals mithilfe einer Membran. Auch der externe Sinuslift kann häufig in einer Sitzung zusammen mit der Implantation vorgenommen werden. Bei sehr geringem eigenen Knochen im Ausgangsbefund empfiehlt es sich jedoch im Einzelfall, zuerst den Knochenaufbau durchzuführen und erst zu einem späteren Zeitpunkt, wenn der Knochenaufbau eingeheilt ist, ein Implantat zu setzen.

Knochenaufbau größeren Umfangs

Bei sehr stark zurückgegangenem Knochen muss der Knochen sowohl in der Höhe als auch in der Breite wieder aufgebaut werden. Oftmals ist hierfür eine Wiederherstellung mittels körpereigenem Knochen die beste Option. Der Knochen kann dazu aus verschiedenen Bereichen des Ober- und Unterkiefers (aufsteigender Ast/Retromolarer Bereich, Kinnregion, Tuber, etc.) gewonnen werden und an die entsprechende Stelle verpflanzt werden. Auch Verfahren, bei denen über ein 3D-Bild der Knochendefekt exakt erfasst und anschließend ein entsprechendes Knochenstück einer Knochenspenderbank, angepasst an die individuellen Patientenbedürfnisse, modelliert und geliefert wird, sind mittlerweile möglich.

Bei diesen anspruchsvollen Situationen sollte in der Regel zuerst lediglich der Knochenaufbau durchgeführt werden und nach erfolgter Einheilung kann dann zu einem späteren Zeitpunkt implantiert werden.

Wartezeit nach erfolgtem Knochenaufbau bis zur Implantation

Generell hängt die Zeit, die nach einem Knochenaufbau und einer Implantation abgewartet werden muss bevor der Zahnersatz fertiggestellt werden kann, stark vom Ausmaß des erforderlichen Knochenaufbaus und von individuellen Patientenparametern ab. Während nach einfachen Implantationen der Zahnersatz teilweise sofort eingesetzt werden kann, muss nach Knochenaufbaumaßnahmen mit Einheilzeiten zwischen 3 und 9 Monaten gerechnet werden.

Fazit – Knochenaufbau bei Zahnimplantaten

Natürlich ist nicht bei jeder Implantation ein Knochenaufbau erforderlich. Falls erforderlich, ist der Knochenaufbau allerdings eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass für Sie als Patient die Wiederherstellung der Ästhetik und Kaufunktion durch Implantate möglich gemacht werden kann. Dank modernster 3D-Verfahren kann man den Operationsverlauf visualisieren so dass die komplette Behandlung für Sie verständlich abläuft.